DURCHBLICK BLOG

Eindrücke, Gedanken und Beobachtungen zur Kunst, Ausstellungen und Kunstwerken. Informationen, Ankündigungen und Reflexionen zum Durchblick Angebot. Durchblick bespielt auch den virtuellen Raum mit den socialmedia Kanälen: snapchat, twitter, instagram  und facebook.

Galerienrundgang
durchblicke_zeitgenössische kunst in salzburg
 

Salzburgs Galerien und Kunstinstitutionen zeigen spannende Ausstellungen und bringen zahlreiche national und international angesehene Künstlerpersönlichkeiten und ihre Werke nach Salzburg. Mit der einmal im Quartal stattfindenden Vermittlungsreihe „durchblicke“ bekommen die TeilnehmerInnen Einblicke in das aktuelle Ausstellungsangebot.
Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin Mag. Anita Thanhofer werden die Kunstorte und ihre Ausstellungen besucht und besprochen. In entspannter Atmosphäre werden kleine Skizzen mit Bleistift angefertigt und dazu angeregt dem eigenen „Kunstsehvermögen“ zu vertrauen um einen Austausch zwischen BetrachterIn und Kunstwerk beginnen lassen zu können.
Rundgangsprogramm für Samstag, 14. Oktober 2017: 
Galerie Frey, Christian Ludwig Attersee „Die Edelweißkiste“
Galerie Nikolaus Ruzicska, Clemens Wolf „Surface Blues“
Künstlerhaus, Salzburger Kunstverein, Ursula Mayer„ATOM SPIRIT“
Leica Galerie, WUALES RELEASE #002 – NUDE SILHOUETTES
Treffpunkt: Galerie Frey, Erhard Platz 3,
Dauer: 
10 Uhr bis 13 Uhr    
Nachdem die Orte innerhalb der Rundgangsdauer, diesesmal nicht ausschließlich zu Fuß erreicht werden können, fahren wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie können auch gerne mit dem Fahrrad kommen.
Um Anmeldung wird gebeten
mail:anita@kunst-durchblick.at oder
t: +43-650-2753550

Die Teilnahme ist kostenlos
Das Sujet und die Einladungskarte für den Rundgang: 14. Oktober 2017 wurde von Susanne Thanhofer und ihrem Projekt Kreatdivas gestaltet: KünstlerInnenedition@goldilockseffects


1 Documenta, 4 Tage, 4 KunstvermittlerInnen on tour. Revue passieren*
def.: etwas Vergangenes nochmals gedanklich der Reihe nach durchgehen oder mit Worten, Bildern rückblickend präsentieren

Unsere Mission war es, das Spektakel Documenta kennenzulernen und in ihr einzutauchen. Ein Erfahrungsbericht in Etappen.


„Die Documenta“…nachdem wir uns alle in unserer Arbeit mit Gegenwartskunst beschäftigen ist „die Documenta“ eine permanente Begleiterin. Wir beziehen uns häufig auf verschiedene Documenta’s, wir nehmen Bezug zu bestimmten Arbeiten unzähliger KünstlerInnen, die bei einer Documenta ausgestellt haben. Auch in Punkto Kunstvermittlung nehmen wir immer wieder Bezug auf vergangene Documenta’s auf. Die Documenta zählt also auch für uns zu den wichtigsten Kunstausstellungen weltweit. Es heisst, sie sei ein Parameter zur zeitgenössischen Kunst und man könne sich einen Überblick verschaffen, wie diese derzeit tickt…wir verstehen die Documenta auch als Möglichkeit einen Einblick in Prozesse zu kuratorischen Fragestellungen und zu vermittlerischen Herangehensweisen zu bekommen. Das Foto beschreibt sehr gut unsere Herangehensweise. Zum einen standen wir die 4 Tage dicht beeinander. Wir haben das selbe gesehen und meist sofort über die Kunstwerke gesprochen. Während unserer Cafepausen haben sich dann Diskussionen, meist ausgehend bestimmter Kunstwerke oder kuratorischer Positionen oder vermittlerischer Statements, entwickelt. Diese Diskussionen waren teils ernüchternd, teils erhellend, immer aber extrem wichtig. Wir haben alle die digitalen Möglichkeiten genutzt. Viel fotografiert, kleine Filme via Instastory oder Snapchat erstellt. Warum auch immer, mache ich auf dem Foto ein „shhhht“ Zeichen. Ja, es hat uns auch manchmal die Sprache verschlagen und wir konnten unsere Eindrücke nicht immer sofort artikulieren. Dieses nachkommunizieren, habe ich digital auf Facebook gemacht. Immer wenn mir wieder etwas einfiel postete ich Fotos und Text in ein dafür angelegtes Album. Daraus schreibe ich nun diesen Blogpost. 
Wie sich orientieren? Wie sich vorbereiten? Wie viel „Zufälliges“ lässt man geschehen? Wir haben uns im Vorfeld das Daybook (A4 Buch, gebunden, blau) bestellt und die 7-stündige Zugfahrt genützt um darin zu lesen mit dem Vorhaben uns „vorzubereiten“. Derjenige welche, der die Einleitung zum Daybook geschrieben hat (ob es Adam Szymczyk war?) lässt uns Leserinnen jedoch von Beginn an Wichtiges wissen: „Das Daybook ist weder Ausstellungsführer, noch Verzeichnis der KünstlerInnen…Sie mögen sich bisweilen sogar irrgeleitet fühlen…“ Wir bekommen einen ersten Eindruck, vorgetragen von „disparaten Stimmen“, die von radikal persönlichen Standpunkten heraus sprechen. Es wird auf einen „Hausstil“ verzichtet. Wir wissen dass man Documenta´s nicht nach den selben Kriterien besucht wie eine Museumsausstellung. Wir vermuten bereits hier, dass unser kunstwissenschaftlicher Background womöglich unnütz sein wird. Das Daybook macht neugierig und stellt das „künstlerische Denken“ in den Vordergund. Wir sind damit glücklich und empfehlen es unbedingt weiter. Der Documentaplan war unser ständiger Begleiter, die vielen unterschiedlichen Orte zu finden und unsere Routen zusammenzustellen. Pro Tag haben wir 3, 4 Orte besucht. Das dazugehörige Mapbooklet gibt nützliche Informationen zum Hintergrund der Orte. Nachdem wir persönlich nicht nach Athen reisen konnten, versuchten wir immer wieder im Athens Map Booklet Projekte auszumachen, die sich mit Kassel ergänzen und überschneiden. Direkt vor Ort haben die Wandtexte, die unregelmäßig präsent waren, weitere Informationen gegeben. Und immer wieder wurde das www eingeschaltet um sogleich zu recherchieren. Und, wir haben zwei Spaziergänge mit Choristen des Vermittlungschores gebucht. Der Einleitungstext schickt uns mit den letzten Strophen aus Konstantinos P. Kavafis´Gedicht „Ithaka“, 1911 los. „….auch wenn es sich dir ärmlich zeigt, Ithaka betrog dich nicht. So weise wie du wurdest, und in solchem Maß erfahren, wirst du ohnedies verstanden haben, was die Ithakas bedeuten.“
Im Rückblick kann ich sagen: Nein, die Documenta betrog uns nicht.
Zur Kulisse Kassel und der Präsentationsorte: Wenn eine mittelalterliche Stadt mit barocker Bausubstanz nach dem zweiten Weltkrieg bis zu 80% zerstört zurückbleibt, dann bedeutet das in Kassel, jede Menge Plattenbauten á la DDR und mittendrunter ein historischer Palast oder ein historisierender Neubau. Hauptsächlich aber Plattenbauten…Wobei jetzt im Nachblick auffällt, dass die Plattenbauten dann doch nicht den räumlichen Rahmen zu den Ausstellungen der Documenta bilden. Der Ort, wo die Kunst unserer Meinung nach am idealsten und spannendsten präsentiert werden konnte, war ein ehemaliger Industriebau, der teilweise immer noch als Distributionsort der Post AG genutzt wird. Ausgehöhlte, sehr hohe Hallen, aneinandergereiht, verbunden durch ein Stiegenauf und Stiegenab. Neue Neue Galerie nannte die Documenta diesen, erstmals 2017 genutzten Ort. An jeder Ecke wurde man mit einer neuen Position überrascht, erstklassig kuratiert und zusammengestellt. Ein megakurzweiliger Besuch. Das klassische Pendant dazu (auch hier als Ausschnitt auf dem Foto zu sehen) bildet die Neue Galerie. Ein klassischer Museumsbau. Wir wissen nicht genau ob wegen der ausgestellten Kunst, den vielen BesucherInnen oder den typisierten Räumen unsere anstrengendste Kunstsehen Tour. Das Fridericianum und die Documentahalle als eh immer dabei Orte… Sehr spannend ist die Einwebung, Vermischung der Documenta Ausstellungen in bzw. mit bestehenden Museen und ihren Ausstellungen wie z.B. mit dem Grimm Museum oder dem Sepulkralmuseum und weiteren Museen, die wir aber zwecks Zeitmangel nicht besuchen konnten. Kassel, die „Documenta Stadt Kassel“ (kann man so auf allen Postkarten lesen) bezieht ihre Identität zumindest in der Aussenwahrnehmung sehr stark auf das alle 5 Jahre stattfindende Kunstspektakel. Unser Chorist hat uns auf die Diskussion hingewisen, die in Kassel geführt wurde sobald feststand, dass die Documenta 2017 auch in Athen stattfinden wird. Kann man einem die Documenta wegnehmen? Wem gehört die Documenta? Wo muss sie stattfinden? Kassel hat uns in den 4 Tagen sehr herzlich, locker mit großer Offenheit aufgenommen. Die Stadt ist voller KunstseherInnen und die Atmosphöre ansteckend impulsiv und immer wieder einladend zum Verweilen, Cafetrinken und Pausieren.
Do you really need am Message?
Und wenn ja, an welcher Message ist wer, warum interessiert? Die Erwartungshaltungen an Kunst, an die Rezeption von Kunst und auch an das Spektakel Documenta ist bekanntermaßen vielfältigst. So unterschiedlich, wie Menschen halt mal sind.
„Was soll diese Arbeit aussagen?“ Ein Satz, den ich als Kunstvermittlerin sehr häufig höre. Hat Kunst nur eine Legimitation wenn sie eine Aussage trifft? Oder darf sie auch (siehe Foto, Ausstellungsdetail: Bili Bidjockar, Installation „the chess society“ in der Gottschalk Halle) nach getanem Zug abwarten, welchen Zug die BetrachterInnen setzen? Ist das Kunstwerk schon zuende gedacht oder will und braucht es uns um weiterzudenken? Aus unterschiedlichen Perspektiven heraus, können sich unterschiedliche Aussagen entwicklen.
Wir wollen die Kunst nicht als Einbahnstrasse anerkennen. Wir wollen mittendrunter sein. Ein Teil davon sein.
Kunst ist…im Falle der Documenta vor Ort. Sie ist da. Wir wollten die Kunst sehen, eintauchen und uns auf die unterschiedlichen Aussagen einlassen und darüber nachdenken und diskutieren. Dabei gab es einige Hochs und Tiefs. Den Tiefpunkt hatten wir erreicht, als wir unsere Legitimation als Kunstvermittlerinnen hinterfragt hatten. Braucht uns die Welt in ihrem derzeitig aufgeheizten Zustand? Braucht die Welt die Kunst? Wir haben uns aber, dank der Kunst und ihren visuellen Äußerungen hier auf der Documenta rasch erholt und werden unserer Profession nach wie vor treu bleiben. Und die Kunst wird es sicherlich auch weiterhin geben. Sollte eine künstlerische Arbeit vordergründig keine Aussage tätigen wollen, dann haben wir formale Aspekte gefunden, die wir analysieren wollten. Wir wollten auch kuratorische Konzepte ergründen und großes Interesse hatten wir am Konzept und an der Herangehenweise der „Kunstvermittlung“ auf der Documenta.

Über Vermittlung.
Das Vermittlungskonzept der Documenta ist schon seit vielen Jahren nicht nur eine wichtige Inspiration für „die Kunstvermittlung“ sondern wird auch als Messlatte begriffen, an der sich viele orientieren können.
Die Documenta 14 hat das Vermittlungskonzept in das Thema: „Eine Erfahrung“ eingebettet.
Was verschiebt sich? Was treibt hin und her? Was bleibt?“ Drei Fragen, die den forschenden Charakter des gesamten Vermittlungskonzeptes bestimmen wollen. Umfangreiche Programme mit Bildungs- und Sozialeinrichtungen in und um Kassel wurden entwickelt und durchgeführt. „Das Programm knüpft Kontakte zu Bildungseinrichtungen, zu von Künstler_innen betriebenen Räumen und zu Stadtvierteln, um die Wechselbeziehungen zwischen Kunst, Bildung und der Ästhetik menschlichen Miteinanders auszuloten“. „Die Vermittlung“ bekam auch einen eigenen Raum, der den Namen Peppermint erhielt und ebenfalls als Ausstellungsort öffentlich zugänglich gemacht wurde. Dort wurde gearbeitet, geforscht und präsentiert und das Publikum konnte sich unter anderem mit Literatur zu und über Vermittlung beschäftigen. Erstmals wurde dazu die Bibliothek von Lucius und Annemarie Burckhardt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Bei unserem Documenta Besuch hatten wir die Möglichkeit mit einer der beiden Leiterinnen der Vermittlungsabteilung. Claire Butcher, ein Gespräch in eben diesen Räumlichkeiten zu führen. Ausgehend von dem Ansatz, dem Thema „Eine Erfahrung“ beschäftigen sich die Programme und Formate „mit Bildungsformaten, die durch die Arbeit und das Verständnis von Künstler_innen, Praktizierenden auf dem Gebiet der Architektur, Denker_innen und Pädagog_innen entwickelt wurden“
Wir hatten im Rahmen unseres „Documentatage“ leider keine Möglichkeit an einem dieser Formate oder Programme teilzunehmen, weshalb ich also dazu auch nichts berichten kann, aber für alle, die sich detaillierter für das Programm interessieren, empfehle ich folgenden Link: http://www.documenta14.de/de/public-education/

Was wir allerdings schon „konsumiert“ haben, waren zwei Spaziergänge bei jeweils zwei verschiedenen Choristen.
Die VermittlerInnen der Documenta 14 bekamen nicht nur den Namen „Choristen“ sondern wollten sich auch inhaltlich auf die Begrifflichkeit des antiken Chors beziehen. Der antike Chor in der griechischen Tragödie setzte sich aus LaiInnen und BürgerInnen zusammen, die zwischen den SchauspielerInnen und dem Publikum als KomentataorInnen und Emphatisanten agierten.
Das Format der Spaziergänge wurde in Anlehnung an die von Lucius Burckhardt entwickelte Spaziergangswissenschaft (Promenadologie, „Strollology“) entwickelt. Im Mapbooklet ist dann auch noch zu lesen:  „Die Rolle der Chormitglieder richtet sich ganz nach den Interessen der BesucherInnen – sie hören Dialogen oder Debatten zu oder intiieren diese und hinterfragen durch das Betrachten und Erleben die Arbeiten“
Mit diesem „Vorwissen“ ausgestattet war unsere Erwartungshaltung an diese Spaziergänge sehr, sehr hoch. Und wie das so ist mit Erwartungshaltungen…hätte man keine gehabt wäre man anschließend nicht enttäuscht gewesen.
Ja. ich muss eingestehen, wir waren enttäuscht. Nicht von dem was uns geboten wurde. Beide Choristen waren ausgesprochen nett und kommunikativ und waren mit vollem Einsatz bei der Sache. Aber die Spaziergänge entsprachen weder didaktisch noch inhaltlich unseren Erwartungen, unseren Vorstellungen. Wir waren Teil, klassischer Dialogführungen, die mittlerweile beinahe jede Institution oder Museum anbieten. Und bitte mich nicht falsch zu verstehen, die Dialogführung ist eine sinnvolle und angenehme Art und Weise mit einer Gruppe zeitgenössische Kunst zu erfahren. Aber es ist eine gängige Praxis und wir haben uns „einfach“ etwas neues, anderes erwartet. Und dennoch hat uns unsere „Erfahrung“ zum Nachdenken angeregt, nämlich über unseren Namen als solches. Ist es also an der Zeit uns einen neuen Namen zu geben? Entspricht der Name „Kunstvermittlerin“ noch unserem Berufsbild? Und welche Erwartungen hat das Publikum an Vermittlung? Wie kann man innerhalb von Formaten unterschiedliche Erwartungen erfüllen? Wir haben auch darüber nachgedacht ob es überhaupt an der Zeit ist unsere Aufgabe zu überdenken. Und deshalb sind wir den Choristen und den Spaziergängen auch wieder sehr dankbar. Denn sie haben uns angeregt unser Tun in Frage zu stellen. Schauen wir mal, was dabei rauskommt, wenn man das eigene Tun in Frage stellt.
Beim Entstehen dieses Blogposts ist die Documenta 14 bereits zu Ende gegangen und geht erneut in die Geschichte ein. Auch wenn sie derzeit innerhalb und ausserhalb des Kunstkontextes sehr kritisiert wird und für jede Menge Diskussionsstoff sorgt, bin ich froh und dankbar das Spektakel Documenta kennengelernt zu haben und in ihr eingetaucht zu sein.
Mission erfüllt.

durchblicke_zeitgenössische Kunst in Salzburg
Galerienrundgang

durchblicke_zeitgenössische kunst in salzburg
Galerienrundgang
 
Für alle KunstgenießerInnen und solche, die es noch werden wollen!
Salzburgs Galerien und Kunstinstitutionen zeigen spannende Ausstellungen und bringen zahlreiche national und international angesehene Künstlerpersönlichkeiten und ihre Werke nach Salzburg. Mit der einmal im Quartal stattfindenden Vermittlungsreihe „durchblicke“ bekommen die TeilnehmerInnen Einblicke in das aktuelle Ausstellungsangebot.
Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin Mag. Anita Thanhofer wird in entspannter Atmosphäre über das Gesehene gesprochen, kleine Skizzen mit Bleistift angefertigt und dazu angeregt dem eigenen „Kunstsehvermögen“ zu vertrauen um einen Austausch zwischen BetrachterIn und Kunstwerk beginnen lassen zu können.
 
Rundgangsprogramm für Samstag, 12. August 2017: 
Galerie Thaddaeus Ropac, Imi Knoebel, New Works
Galerie Säulenhalle Rathaus: Martina Stock, West-Berlin
Galerie Mario Mauroner Contemporary Art Salzburg, Kronos: Chairos:
Die Zeit. Kontinuität wie Vergänglichkeit auf der einen Seite…und temporäre Rauminterventionen
von Markus Hofer im St. Peter Stiftskulinar
Galerie Welz, Herbert Albrecht
Treffpunkt: Mirabellplatz 2,
(vor Galerie Thaddaeus Ropac)
Dauer: 10 Uhr bis 13 Uhr
 
Um Anmeldung wird gebeten
mail: anita@kunst-durchblick.at oder
t: +43-650-2753550
Die Teilnahme ist kostenlos
 
Nächster Rundgangstermin: 14.10.2017 
Die durchblicke Galerienrundgänge sind eine Veranstaltung von Durchblick Kunstvermittlung in Kooperation mit der WKS_Wirtschaftskammer Salzburg und in Zusammenarbeit mit den Galerien und Kunstinstitutionen.
Weitere Informationen unter: www.durchblick-kunst.at
Das Sujet und die Einladungskarte für den Rundgang: 12. August 2017 wurde von der Salzburger Künstlerin: Martina Stock gestaltet: KünstlerInnenedition@goldilockseffects

Das Digitale und das Analoge oder Über die Aura als „einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag“

Als Kunsthistorikerin bin ich quasi aufgewachsen und sozialisiert mit Walter Benjamin und seinem Beitrag: „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Es sind Gedanken aus dem Jahr 1935, als über die Fotografie und ihre Positionierung im Kunstkontext gestritten, diskutiert und manifestiert wurde. Über dieses Thema sind wir „hinweg“ und die künstlerische Fotografie ist ebenso fester Bestandteil der Kunst wie ihre Geschwister die Bildhauerei oder die Malerei. Heute geht es bereits wieder um ganz andere, neue Analysen und Positionierungen, wie der Performance und Videokunst zum Beispiel. (Aber das ist ein anderes Thema, um das es hier in diesem Blogpost erstmal gar nicht gehen wird)


Nein, worum es mir in diesem Blogpost geht, ist das UND zwischen dem Digitalen und dem Analogen. In der Rezeption, dem „Kunstsehen“ und in der Vermittlung. Beides kann sich wunderbar ergänzen und nicht ausschließen oder aufheben. Möglichkeiten der digitalen Kunstvermittlung können und sollen den Museumsbesuch nicht abwählen sondern erweitern. Das Smartphone, das Tablet und den Computer als zusätzlichen Raum nutzen, anbieten und benutzen und dadurch nicht nur neue BesucherInnen Gruppen für Museen sensibilisieren und sie an sie binden sondern auch die bestehende „Beziehung“ zu den BesucherInnen vertiefen. Der digitale Raum bietet unzählige Möglichkeiten Barriere-, Hierarchie-, und ExpertInnenlos Kunst zu rezipieren, sich Kunst anzueignen, sich damit auseinandersetzen UND einfach eine interessante Zeit mit dem was wir Kunst nennen, zu verbringen.
Wir Menschen lieben, schätzen und suchen das Authentische, das Reale, die Empfindung aber wir lieben auch das Neue, das Anregende, das unser Bewusstsein und eventuell auch unsere Ansichten erweiternde. Bei welchem Teil des Satzes meine ich nun den analogen Museumsbesuch und bei welchem Teil den digitalen und virtuellen Museumsbesuch? Also für mich, trifft beides zu. Ich empfinde im analogen und im digitalen Raum gleich und habe beide Erlebnisse genossen. Mittlerweile möchte ich weder das Eine noch das Andere missen. Und das trifft sicherlich nicht nur auf mich zu.
Ich liebe es Kunst in Ausstellungen verschiedener Museen und Kunstorte zu besuchen. Und es fällt mir im Traum nicht ein, ein entweder oder daraus zu machen. Aber oftmals fehlt die Zeit, das Geld und überhaupt die Möglichkeit einer Reise um mir alle Ausstellungen, die ich interessant finden würde zu besuchen. Und trotzdem kann ich über den digitalen Raum partizipieren.
Und um mit Walter Benjamin zu schließen: Die Aura als „einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag“ muss ja nicht nur auf den analogen Raum bezogen werden. Nachdem Benjamin die Meinung vertrat, dass die Empfindung eines Augenblicks nicht reproduzierbar wäre, da sich der gleiche Moment nie mehr wiederholt. Dann kann der digitale Raum einen selben Moment anbieten, der sich tatsächlich unendlich wiederholen lässt. Nochmals laden, nochmals klicken, nochmals sehen. Die Unnahbarkeit ist ein eigentümliches Merkmal des Kunstwerkes. Und jeder nähert sich dieser Unnahbarkeit sowieso unterschiedlich. Die einen wollen das Kunstwerk auf Daten und Fakten reduzieren, die anderen wollen es anaylisieren und die anderen einfach ansehen, die nächsten wollen all das und noch mehr.
Das Ding mit dem Digitalen soll und kann daher alle „Museumsmenschen“ wie DirektorInnen, KuratorInnen, VermittlerInnen,…zusammenbringen, aus der Reserve locken und viel neues entwickeln und anbieten lassen.
 
 
 

#digitalartwalk

Der erste digitalartwalk ging am 20. Mai zum internationalen Museumstag über die Bühne. Der digitalartwalk ist zwar kein Schauspiel oder Theater, im klassischen Sinn aber diese Metapher und die damit einhergehenden Assoziationen passen ganz gut um die Aktion zu analysieren und eine Reflexion darüber zu schreiben. Es waren eigentlich mehrere Bühnen auf denen etwas „ging“ und alle TeilnehmerInnen waren AkteurInnen, die unterschiedliche Parts einnahmen.


Konkret waren es drei Bühnen. Es gab eine zentrale Bühne, einen online Room, den alle TeilnehmerInnen von ihren Smartphones oder von ihren Computern aus, betreten haben und es sich darin erstmal gemütlich gemacht haben. Die zweite Bühne bildete das Kunsthistorische Museum in Wien, auf der sich, real gesehen als Solo, Ines Häufler, bewegt hat. Auf der dritten Bühne, der Galerie 5020 in Salzburg, bewegte ich mich. Virtuell waren aber alle TeilnehmerInnen, somit auch Ines und ich, an beiden Orten gleichzeitig. Ines und ich haben, mit unseren Smartphone Kameras, die beiden Kunstorte, die Ausstellungen und Kunstwerke auf die „Bühne“ gebracht.
„Gespielt“ haben wir also, die vereinbarte Stunde, alle gemeinsam. Wir haben zwei unterschiedliche Kunstorte, mit unterschiedlichen Schwerpunkten miteinander in Bezug gesetzt. Im Vorfeld haben wir uns jeweils drei Kunstwerkspaare ausgewählt und während dem digitalen Kunstrundgang, direkt miteinander in Bezug gebracht, miteinander verglichen und unsere TeilnehmerInnen in ein Gespräch eingebunden. Manches wurde gesagt, manches notiert. Gesagtes und geschriebenes konnte von allen Teilnehmerinnen gehört und gesehen werden. Ein historisches Museum mit Kunst aus vergangenen Epochen und Jahrhunderten in Bezug zu einem zeitgenössischen Kunstort zu bringen, war an sich schon ein spannendes Experiment. Da die TeilnehmerInnen ja an beiden Orten gleichzeitig sein konnten, waren die zwei sehr unterschiedliche Atmosphären gut zu beobachten. Aus den zu vergleichenden Kunstwerken entwickelten sich neue Perspektiven und beides, das historische und das zeitgenössische, konnte dadurch „erweitert“ rezipiert werden. Neue Geschichten konnten erzählt werden und neue Vermittlungsansätze daraus entwickelt werden.

Und für alle, die sich immer noch nichts darunter vorstellen können, gehts hier zur Zusammenfassung: Erster Digitalartwalk: Initiiert und begleitet von Ines Häufler, David Röthler und mir.

 
Erstes Bildpaar: BERNADO BELLOTTO, GENANNT CANALETTO, Wien, vom Belvedere aus gesehen, 1758/1761 mit STEFAN WIRNSPERGER, Lettered City (there never is enough time for perfection), 2017
Zweites Bildpaar: Peter Paul Rubens, „Das Pelzchen“ („Het Pelsken“), 1638 mit ELISA ANDESSNER aus der Serie landscape (1), 2015
Drittes BildpaarDavid Teniers der Jüngere, Erzherzog Leopold Wilhelm und seine Künstler in der erzherzöglichen Gemäldegalerie in Brüssel, um 1651 mit SANDRA KOSEL, Common Home, 2014-16/2017
 
Herzlichen Dank an die 5020 und an das Kunsthistorisches Museum Vienna fürs hosten und heeeeerzlichen Dank Allen, die daran teilgenommen haben. Watch out for the next #digitalartwalk 🙂
Hashtags: #InternationalMuseumDay, #imt17, #digitalartwalk #kunstsehen

#blogparade #perlenfischen. Für museumsperlen.de als Perlenfischerin in Salzburg unterwegs.

Das Blog Museumsperlen.de der Infopoint Museen & Schlösser in Bayern ist noch bis zum 14. Mai auf der Suche nach Museumsperlen und ladet im Rahmen ihrer ausgerufenen Blogparade dazu ein, sich als Perlenfischer aufzumachen und nach Museumsperlen zu fischen.

Ich habe gefischt und einen Fisch an Land gezogen. Es handelt sich dabei um die in Salzburg sehr bekannte Spezies mit dem Namen „Salzburg Museum„.

Das Salzburg Museum ist ein Museum für Kunst- und Kulturgeschichte für Stadt und Land Salzburg. Seit dem Gründungsjahr 1834 gab es einige Namens und Standortänderungen. 2005 wechselte das Salzburg Museum (früher Salzburger Museum Carolino Augusteum) zum jetzigen Standort, der sogenannten Neuen Residenz. Das Salzburg Museum betreut und betreibt aber zusätzliche Standorte und Museen wie das Panorama MuseumSalzburger GlockenspielSpielzeug MuseumFestungsmuseumDomgrabungs­museumVolkskunde MuseumKeltenmuseum HalleinStille Nacht Museum Hallein  und das Nordoratorium des DomQuartier | Nordoratorium.
 
Das Salzburg Museum hat eine sehr spannende und vielfältigst agierende Kunstvermittlungsabteilung. Das Team um Sandra Kobel entwickelt und begleitet zahlreiche Angebote für kleine und große BesucherInnen. Für BesucherInnen mit besonderen Bedürfnissen werden Programme und Workshops aus dem Bereich der „barrierefreien Vermittlung“ angeboten. Für das Projekt“leichte Sprache“ wurde das Salzburg Museum und die Kunstvermittlerin Nadja Al-Masri bereits mehrmals ausgezeichnet. Integriert in den Ausstellungsräumen, gibt es ein kleines „selfservice“ Cafe mit kostenlosem Wasser und gutem Cafe um 1.50.- und ermöglicht so den BesucherInnen eine gemütliche Pause einzulegen.
 
Bei meinem letzten Besuch habe ich zwei Ausstellungsperlen an Land gezogen.
Ausstellung Eins: Stefan Zweig, Ich gehöre nirgends mehr hin!…: Ich war positivst beeindruckt über das perfekt inszenierte Storytelling dieser „oneroom“ Ausstellung! Mir ist beim Anblick und beim Berühren der „Nazimäntel“ ein kalter Schauder über den Rücken gelaufen…Stefan Zweig hat in den Jahren zwischen 1919 und 1934 in Salzburg in einer sehr schönen Villa am Kapuzinerberg gelebt und gearbeitet. Im Zentrum der Ausstellung steht das letzte Werk, das Stefan Zweig fertig stellen konnte: die Schachnovelle. Stefan Zweig hat, besonders in seinen letzten Jahren in Salzburg sehr mit der Stadt und den Leuten hier gehadert. Auch das wird in der Ausstellung thematisiert.
Ausstellung zwei: Österreichbilder, eine Kooperation mit Rainer Iglar und Michael Mauracher. Die Ausstellung, im Rahmen eines großangelegten Fotoprojektes, ermöglicht einen dokumentarischen Blick auf Österreich mittels zeitgenössischer Fotografie. Die Ausstellung gibt Einblicke in die eigene Sammlung historischer Fotografien und eröffnet durch die Einbeziehung von zeitgenössischen Positionen einen Dialog und für die BesucherInnen interessante Einblicke in das Thema der Dokumentarfotografie, die auch in der zeitgenössischen künstlerischen Fotografie verhandelt wird.
Zusätzlich zum spannenden Inhalt bietet das Salzburg Museum einen für mich auch wichtigen Nebeneffekt: Fotografieren und Filmen erlaubt. So konnte ich dazu auch eine Snapchatstory gestalten und Bilder auf meinen Instagram Account laden.
Ein wunderbarer Nachmittag beim #perlenfischen und #kunstsehen.
 
 

durchblicke_zeitgenössische Kunst in Salzburg Galerienrundgang

Für alle KunstgenießerInnen und solche, die es noch werden wollen!
Salzburgs Galerien und Kunstinstitiutionen zeigen spannende Ausstellungen und bringen zahlreiche national und international angesehene Künstlerpersönlichkeiten und ihre Werke nach Salzburg. Mit der einmal im Quartal stattfindenden Vermittlungsreihe „durchblicke“ bekommen die TeilnehmerInnen Einblicke in das aktuelle Ausstellungsangebot.
 
Gemeinsam mit mir, wird in entspannter Atmosphäre über das Gesehene gesprochen, kleine Skizzen mit Bleistift angefertigt und dazu angeregt dem eigenen „Kunstsehvermögen“ zu vertrauen um einen Austausch zwischen BetrachterIn und Kunstwerk beginnen lassen zu können.
 
Rundgangsprogramm für Samstag, 25. März 2017:
Galerie Thaddaeus Ropac: Marc Brandenburg, „Alpha St“
Galerie 2cforArt: Florian Fausch, „Schellack“
Galerie Weihergut: Lucas Suppin und Paul Raas
Periscope: Gold Extra: Future Rearview – Ein Rückblick in die Zukunft
 
Wann: Samstag 25. März, 2017
Dauer: 10 Uhr bis 13 Uhr
Treffpunkt: Galerie Thaddaeus Ropac, Mirabellplatz 2, 5020 Salzburg
 
Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung wird gebeten: anita@kunst-durchblick.at,
T: +43-650-2753550
Die durchblicke Galerienrundgänge sind eine Veranstaltung von Durchblick Kunstvermittlung in Kooperation mit der WKS_Wirtschaftskammer Salzburg und in Zusammenarbeit mit den Galerien und Kunstinstitutionen.
Nächste Rundgangstermine: 24.6.2017 und 14.10.2017 
 
 

#thisaintartschool an der EBS Kuchl

FÜR EIN MODUL AN DER EBS KUCHL (SCHULE FÜR EINRICHTUNGSBERATER, INTERIOR DESIGN SCHOOL KUCHL) IN DER ICH DAS KOMBINATIONSFACH KUNSTFORMENLEHRE/KUNSTBETRACHTUNG UNTERRICHTE, HABE ICH EINE METHODE BEGLEITET, ÜBER DIE ICH IN DIESEM POST BERICHTEN MÖCHTE. MIT DER METHODE HABE ICH DEN NEU ZU BEHANDELNDEN, ZEITLICHEN UND INHALTLICHEN BEREICH DES 20. UND 21. JAHRHUNDERTS IN DER BILDENDEN KUNST EINGEFÜHRT.

Die vermittlerische Intension dieser Methode besteht darin, die SchülerInnen auf den Spuren der „Seh und Wahrnehmungsvorgänge“ von ausgewählten KünstlerInnen zu schicken und durch #nachahmen und #interpretieren in den Entstehungsprozess eines Kunstwerkes eintauchen zu lassen. Mit dem vermittlerischen Ziel den Rezeptionsvorgang und das Rezeptionsverhalten zu erweitern und dadurch weitere Verständnisebenen einzuweben. Die Fotografie eignet sich inhaltlich aber auch insbesondere als Gestaltungsmittel.
In der Entwicklung dieser Methode haben mich einige Inspirationsquellen beeinflusst. Die zeitlich älteste Inspirationsquelle liegt mit Johann Joachim Winckelmanns Schrift „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“ im 18. Jahrhundert. Winkelmann hat mit seinen Gedanken zur #nachahmung maßgeblich zum Ausbildungsszenario von jungen Künstlern beigetragen und auch mich in meinen Überlegungen, wie ich Kunst den angehenden EinrichtungsberaterInnen innerhalb eines Schuljahres näher bringen soll, angeregt. Ein zeitlich gesehen großer Sprung, ins 20. Jahrhundert, lässt mich bei der appropriation art landen.
Die appropriation art ist eine Ausdrucksform der zeitgenössischen Kunst, innerhalb derer sich KünstlerInnen, Arbeiten anderer KünstlerInnen #aneignen, #nachahmen, #nachstellen und mit bewussten und strategischen Überlegungen neue Kunstwerke entstehen lassen. Meine dritte Inspirationsquelle ist der Instagramaccount: this ain´t artschool. Kurz TAAS, laden ihre Follower in regelmäßigen Abständen dazu ein #assignment Fotos zu verschiedenen KünstlerInnen zu machen und dann zu posten.
Für die #assignments der EBS Kuchl SchülerInnen habe ich die KünstlerInnen: Bernd und Hilla Becher, Henri Cartier Bresson (Serie Rain und Street Fotografie), Andreas Gursky, Thomas Ruff, Lee Friedlander, Vali Export (Serie Körperkonfigurationen) und Elina Brotherus ausgewählt. Die SchülerInnen zogen per Zufallsprinzip eine Künstlerpersönlichkeit. Bei 32 SchülerInnen entwickelten sich daher also sieben Gruppen zu jeweils 4, 5 SchülerInnen.
Die Beobachtungen der Entstehungsprozesse sind mit ein paar Wörtern zusammenzufassen: Spaß, Lachen, kreative Ideen, spontane Lösungen, volle Konzentration. Obwohl es mir in erster Linie nicht um die Resultate ging, war ich dennoch verblüfft wieviele, wirklich tolle Bilder entstanden sind. Ob durch diese Methode das vermittlerische Ziel erreicht werden konnte, wird sich erst in den folgenden Modulen herausstellen. Darüber werde ich noch berichten.

durchblicke_zeitgenössische Kunst in Salzburg
In sachen #kunstehen unterwegs

In dieser Reihe kann man mir auf einem digitalen Rundgang zu unterschiedlichen Ausstellungsorten folgen. Der nächste reale Rundgang „durchblicke_zeitgenössische Kunst in Salzburg“, wird im März 2017 stattfinden. Im Rahmen von Durchblick kann man natürlich auch individuelle #kunstsehen Runden buchen: Infos zu Rundgänge und Workshops.

Der heutige Tipp bezieht sich auf eine temporäre Rauminstallation von Melanie Greußing und Wolfgang Schwarzmann, im Rahmen des Projekts „Vorübergehend Kunst“ausgehend vom Fonds Kunst am Bau Salzburg.
Eine größere Auslagenfläche im Amtsgebäude des Landes Salzburgs in der Fanny-von-Lehnert-Str.1/ Ecke Karl-Wurmb-Str.17 wird seit einigen Monaten von unterschiedlichen KünstlerInnen bespielt. Derzeit läuft (im wahrsten Sinne des Wortes) die Installation „5062“ von Melanie Greußing und Wolfgang Schwarzmann. 5062 orange Tontauben aus schwarzem Ton mit einem Durchmesser von 110 mm und eine steuerbare schwarze Kugel mit einem Durchmesser von 1.800 mm haben die Auslagenfläche eingenommen. Der Raum wurde für diese Arbeit als white cube umfunktioniert, sodass der Fokus auf die sehr reduzierten Flächen, Formen, Oberflächen und Farben gelegt werden kann. Eine gleichmäßige Beleuchtung hebt die Kontraste zwischen der schwarzen Kugel, den schwarzen Scherben, der leuchtend orangen Farbe und dem weißen Raum klar hervor. Die Formen und Oberflächen der Tontauben sind rund, glatt, ebenmäßig. Eine Tontaube gleicht exakt der anderen. Aufgestellt in „Reih und Glied“ bedecken sie die gesamte Bodenfläche. Diese Ordnung wird formal bereits von der großen schwarzen Kugel aufgehoben, die durch ihr Volumen nicht nur Bodenfläche sondern auch Raumfläche für sich einnimmt. Die Kugel steht statisch, keine Bewegung sichtbar. Dennoch zieht sich bereits eine Spur der Zerstörung hinter ihr her. Einzelne Tontauben sind zerbrochen und zermalmt und brechen die Ordnung durch die kleinen unterschiedlichen Formen, die sich daraus ergeben erneut auf. „Und sie bewegt sich doch…“  Die Kugel muss sich bewegt haben, denn ansonsten wäre diese Spur nicht zustande gekommen. Und würde man morgen oder übermorgen wieder „vorübergehen“ wird die Spur ein weiteres Stück gewachsen sein oder drastischer ausgedrückt als „Vorübergehende“ könnten wir der fortlaufenden Zerstörung zusehen. Die Assozoationskette rollt…Zerstörung, Vergänglichkeit, Tod, Erstarrung, Bewegung, Gewalt, Krieg, Diktatur, Gesellschaft, Raster, Struktur. Ist Befreiung aus der Erstarrung möglich?
 
Melanie Greußing, bildende Künstlerin, lebt und arbeitet in Linz und war Partiziatorin am Projekt goldilocks effects 2016. Wolfgang Schwarzmann, Architekt und bildender Künstler, lebt und arbeitet in Vorarlberg
Die temporäre Rauminstallation 5062 ist noch bis Mitte Jänner zu sehen. Einfach vorübergehen!

Zwischen Inhalten und Technologien (#neustART)
Dieser Text entsteht aufgrund meiner Teilnahme an der von Christian Fehr ausgerufenen Blogparade, eingebettet im Rahmen der fünf im November stattfindendenen Startcamps (Wolfsburg, Bonn, Bern, Essen und Wien) zu Themen rund um das Schlagwort „digitale Transformation“.

Die Startcamps Bern, Essen und Wien haben sich inhaltlich abgestimmt und aus den Ergebnissen und Überlegungen dieser drei Startcamps soll ein eBook entstehen, indem die digitale Transformation und die «Kultur der Digitalität» inhaltichen Raum bekommen wird.
Das Thema des Startcamps in Wien am 21. November, an dem ich auch teilnehmen werde, bekam den Titel: Zwischen Inhalten und Technologien (#neustART). Hauptfokus liegt am Bereich der Unternehmungen um neue Strukturen, Prozesse und Strategien in und für Kulturorganisationen zu entwickeln und zu begleiten. Es soll primär der Frage nachgegangen werden wie die neuen Technologien genutzt werden können, um Inhalte zu kommunizieren.
Kultureinrichtungen befinden sich also schon inmitten einer digitalen Transformation. Viele Kultureinrichtungen scheinen das aber noch gar nicht zu wissen oder wenden aus einer Überforderung heraus, die Taktik der drei Affen an: Nichts sehen, nichts hören, nichts reden.[I]
Um was für eine Transformation geht es nun und wieso macht sich dort oder da Überforderung breit während andere, bereits mit vollem Elan, Eifer, Freude und Lust die digitale Realität in ihre Häuser oder Institutionen lassen?
„Kultur an der real-digitalen Schnittstelle“ als Überlegungsausganspunkt für den Beitrag der Blogparade hebt die drei wesentlichen Situationen hervor, die diese Transformation im Kultursektor einleiten und begleiten. Realität, Digitalität und Schnittstelle. Der Begriff Schnittstelle umschreibt allerdings weniger eine Situation als ein Faktum, einen Bereich, der die Realität zur Digitalität trennt, weil Schnitt. Obwohl mir genau diese „Schnittstelle“ das wesentliche Element erscheint um die Überlegungen zu vertiefen, möchte ich zunächst an der Definition von Realität und Digitalität weiterdenken und ob es tatsächlich einen Schnitt benötigt um diese beiden Situationen voneinander abzutrennen um in eine Transformation zu gelangen. Das Kombinationswort real-digital ist ein zusammengezogenes, durch den Bindestrich wieder getrenntes Wort, zusammengesetzt aus dem Wort Realität und Digital.
Realität aus dem lateinischen Wort realitas, ‚Wirklichkeit‘; über res, Sache, Ding, Wesen, hergeleitet, beschreibt: Ja was eigentlich? Nachdem sich Generationen von Philosophen an dem Realitätsbegriff abgearbeitet haben, kann die allgemeingültige Definition nicht so einfach hinzuschreiben zu sein. Also lassen wir das mal so stehen. Irgendwie wissen wir schon, was mit Real und Realität gemeint ist. Oder jeder von uns hat für sich eine Definition gefunden. Somit können wir davon ausgehen, gibt es viele unterschiedliche Vorstellungen von Realitäten. Vor allem, seit das digitale soviel Raum in unserer Realität einnimmt, wird uns eventuell die Realität deshalb umso bewusster.
Eventuell fällt es also leichter bei Digitalität einzusteigen. Was bedeutet nun Digital oder Digitalität? Digital oder digital (aus lateinisch digitus „Finger“) steht für: den Finger betreffend, mit dem Finger, ein nicht analoges, diskretes oder abgestuftes Signals, siehe Digitalsignal, Digitaltechnik, Digitale Daten, Digitale Medien.
Digitalität schließt immer technische Begleitung mit ein. Konkret, die Technik rund um Computertechnologie. Die Nutzung dieser Techniken in unserer „Realität“ hat seit mehr als zwanzig Jahren unterschiedlichste und variantenreiche Auswirkungen, die mit „Digitale Revolution“ oder „digitaler Wandel“ beschrieben sind.
Es ist uns also bewusst, dass Digitalität bereits Teil unserer Realität ist. Diese Interaktion befindet sich in einer permanenten Weiterentwicklung. Das was gestern noch nicht einmal angedacht war, ist heute bereits „Realität“ und wird morgen wieder etwas neuem abgelöst oder weiterentwickelt oder hilft um eine Transformation stattfinden zu lassen. Und dazwischen befindet sich nun diese Schnittstelle.
Die Schnittstelle möchte also etwas definieren, Raum aufmachen. Im Sprachgebrauch wird für „Schnittstelle“ gelegentlich auch „Nahtstelle“ benutzt, besonders um den verbindenden (gegenüber dem trennenden) Charakter von Schnittstellen hervorzuheben. Die Schnittstelle oder das Interface ist der Teil eines Systems, welcher der Kommunikation dient.
Der Begriff „Schnittstelle“ stammt ursprünglich aus der Naturwissenschaft und bezeichnet die physikalische Phasengrenze zweier Zustände eines Mediums. Kultur[II] wenn sie sich als Schnittstelle oder als Interface einsetzen lassen möchte, kann also zwischen Realität (als Phase) und Digitalität (als Phase) vermitteln und wie oben beschrieben Kommunikationstool sein.
Kultur, an der Schnittstelle, das heisst sie befindet sich in der Nähe dieser Schnittstelle. Das heisst die Schnittstelle, der Raum, die Überlappung, ist etwas anderes als die Kultur selbst.
Die Kultur an der real-digitalen Schnittstelle kurz KADRDS kann sich in eine aktive oder eine passive Rolle begeben. In der aktiven Rolle kann sie sich der vielen Möglichkeiten bedienen um Kommunikation zwischen Menschen und Dingen in Gang zu setzen oder um konkrete Inhalte kommunizieren zu lassen. Beispielweise können Museumsbesucher mittels Smartphone oder Tablets in Kommunikation mit KuratorInnen KünstlerInnen oder anderen BesucherInnen treten. Diese Kommunikationswege, Formen und die sich daraus ergebenden „Formate“, gilt es zu entwickeln. Mit Videos, Augmented Reality und sicherlich in Kürze weiterhin erfundenen technischen Tools können neue Möglichkeiten gefunden werden um Inhalte zu vermitteln. Daraus können sich zudem zusätzliche, komplett neue Inhalte ergeben, die in der analogen Ausstellungspraxis bis dato noch gar nicht eingesetzt werden können.
Die „analoge“ Ausstellungspraxis oder „analoge“ Vermittlung kann dadurch bestehen bleiben, bekommt aber zusätzliche Ebenen, deren sie sich bedienen wird können .
Anfang 19. Jahrhundert, mit der Erfindung der Fotografie, hat schon einmal ein digitaler Transformationsprozess stattgefunden. Ein Prozess der über ein technisches Tool zwischen Realität und Produkt – haltbar gemachter Realität vermittelt hat. Mit dem Einsetzen der digitalen Fotografie konnte abgesehen von der leichteren Handhabe, der billigeren Produktion, auch eine neue Form der Realität eingeführt und als Realität verkauft werden. Die Fotografie zeigte von nun an nicht mehr nur die reale Realität sondern konnte eine neue, fiktive Realität erschaffen und visualisieren. Allen Unkenrufen zum Trotz ist die analoge Fotografie nicht untergetaucht oder wurde von der digital Fotografie abgelöst, sondern sie existieren beide nebeneinander und werden je nach Bedarf eingesetzt.
Dieses zurückblicken, könnte eventuell den SkeptikerInnen im Museumskontext helfen um die digitale Transformation nicht nur zuzulassen, sondern selbst zu steuern und durch Teilhabe in diese Transformationsprozesse integriert sein.
Diese neuen, zusätzlichen Möglichkeiten zur Kommunikation werden auch neue Berufsfelder in den Kultureinrichtungen entstehen lassen. Kultureinrichtungen werden üblicher Weise immer noch in einem sehr hierarchisch aufgestelltem System geführt. Die Gesellschaft, also wir, entwickeln uns aber um und weiter und wir möchten unser Leben und unseren Arbeitsalltag selbstbestimmter und vor allem gleichwertiger leben. Die Position rund um digitale Vermittlung bedingt es gerade, diese Strukturen aufzubrechen, da Transparenz zwischen den Abteilungen eine Voraussetzung ist um neue Formate zu entwickeln. Durch diese Transparenz und Kommunikation entsteht eine Plattform auf der sich die einzelnen Mitarbeiter der verschiedenen Arbeitsfelder einer Kulturinstitution austauschen, abgleichen und ergänzen können um gemeinsam für Innen und Aussen spannende und ehrliche Kulturarbeit leisten zu können. Immer die BesucherInnen, das Publikum, die „Audience“ im Fokus.
In der passiven Rolle, kann die KADRDS selbst Projektionsfläche werden um anderen Dingen oder Menschen aktive Rollen ausüben zu lassen und interaktive Elemente, die analog aus Kosten oder Zeitgründen nie möglich wären, eingesetzt werden. Es kann dadurch zu einem Rollenwechsel der üblicherweise passiven RezepientInnen kommen. Denn durch technische Tools kann der Rezipient aktiv z.B. in eine künstlerische Arbeit einsteigen, es weiterdenken oder verändern. Das Initiieren von Rollenwechseln von RezipientInnen in KuratorInnen, DramaturgInnen, KomponistInnen, IntendantInnen…[III] Dadurch könnte sich auch der Begriff des „rezipierens“ transformieren.
Abschließend möchte ich nochmal zu einem der Ausgangsgedanken zurückkehren „ob es tatsächlich einen Schnitt benötigt um diese beiden Situationen (real und digital) voneinander abzutrennen um in eine Transformation zu gelangen.“ Die verbindenden Qualitäten von Kultur können durch ihren Vermittlungansatz auf jeden Fall eine bewusste „Nahtstelle“ ausüben. Das Interface für diesen Transformationsprozess darstellen. Kultur an der real-digitalen Schnittstelle kann diesen neuen Raum, durch neue Personen, Arbeitsfelder, Ideen, Formaten, Programmen, Zugängen nicht nur füllen sondern im Hinblick auf den „User“ und der „Audience“ spannende neue Wege gehen. Mal schauen wohin…Ich bin auf jedenfall gerne mit dabei!
 
[I] Die Autorin des Beitrages lebt und arbeitet in Salzburg und bezieht ihre Mutmaßungen
konkret auf Beobachtungen der Salzburger Kunstszene. Die Gründe dafür könnte man in einem anderen Beitrag analysieren. In Salzburg gibt es definitiv spannendes Entwicklungspotential.
[II] Wenn in diesem Artikel von „der Kultur“ geschrieben wird, bezieht sich die Autorin auf kulturelle Institutionen, Vereinen oder Einzelpersonen die Kunst auf der Bühne, im Museum, im Ausstellungskontext Allgemein und im öffentlichen Raum präsentieren.
[III] Das Computerspiel FIFA16 z.B., bedient sich, in der Welt des Fussballs, dieser Elemente. Es ermöglicht unterschiedliche Rollenwechsel der SpielerInnen.
 

Bildbeispiel 1: Markus Lüpertz
Bildbeispiel 2: David Fissthaler „negative spaces“